Dienstag, 27. September 2022

Studie:
Wasserstoff bleibt knappes Gut


[22.9.2022] Eine Wasserstoffstudie des Borderstep Instituts und des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung fordert klare Prioritäten in der Energiepolitik bei der Verwendung von Wasserstoff.

Wasserstoff ist ein zentraler Baustein der Energiewende. Dies betonen Akteure aus Wirtschaft, Politik oder Wissenschaft fast täglich. Er soll nicht nur bei der Dekarbonisierung der Wirtschaft helfen, sondern auch zur Energiesicherheit beitragen und langfristig Erdgas ersetzen. Forschende vom Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit und vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) warnen in dem Forschungsprojekt Wasserstoff als Allheilmittel? vor falschen Hoffnungen. Auf Basis aktueller Studien empfehlen sie, die Förderung von Wasserstoff auf Anwendungsfelder wie die Stahl- und Ammoniakproduktion sowie langfristige Energiespeicherung zu beschränken. Ohne klare politische Priorisierung drohen Fehlentwicklungen, die einen nachhaltigen Einsatz von Wasserstoff gefährden und gleichzeitig effizientere, preiswertere Alternativen verdrängen könnten. In dem Impulspapier „Wasserstoff sparsam einsetzen" geben die Forschenden basierend auf dem Bericht „Das Wasserstoffdilemma: Verfügbarkeit, Bedarfe und Mythen“ aktuelle Politikempfehlungen. Dazu zählt etwa: Wasserstoff wird für Pkw, Busse und für den Lieferverkehr als nicht sinnvoll erachtet.
„Optimistische Studien, die eine breite Verfügbarkeit von Wasserstoff versprechen, beflügeln diese Hoffnungen", sagt Jens Clausen vom Borderstep Institut. „Zwar wird grüner Wasserstoff ein unverzichtbarer Baustein im Energiesystem der Zukunft sein, aber seine Herstellung erfordert große Mengen an grünem Strom. Es dauert daher, bis größere Mengen verfügbar sein werden.“ Die Forschenden verglichen verschiedene Studien zum prognostizierten Bedarf und verfügbaren Angebot an grünem Wasserstoff in Deutschland. Sie wollen die Politik unterstützen, realistische und ambitionierte Transformationspfade zu entwickeln. Sowohl der Ausbau der notwendigen regenerativen Stromerzeugung als auch der Elektrolysekapazitäten wird Jahrzehnte in Anspruch nehmen. „Wir wollen eine hohe Versorgungssicherheit, Klimaschutz und bezahlbare Energiepreise. Um diese drei Ziele zu erreichen, brauchen wir parallel zum Aufbau der Wasserstoffwirtschaft und dem rasanten Ausbau der erneuerbaren Energien vor allem auch eine Priorisierung von Wasserstoffanwendungen", sagt Florian Kern vom IÖW. „In der Stahlherstellung, als Langzeit-Energiespeicher und als Rohstoff für Raffinerien und die Chemieindustrie ist Wasserstoff nach heutigem Stand der Technik unverzichtbar, um die Klimaziele zu erreichen. In anderen Bereichen sollten energetisch und preislich effizientere Lösungen bevorzugt werden."
Da es bei der Herstellung von Wasserstoff hohe Umwandlungsverluste gibt, verbraucht Wasserstoff deutlich mehr Primärenergie als direkt-elektrische Lösungen: Ein Heizkessel mit Wasserstoff etwa würde fünfmal so viel Energie verbrauchen wie eine Wärmepumpe. Und ein Pkw mit Wasserstoffantrieb benötigt doppelt so viel grünen Strom wie ein E-Auto mit Akku. Fördert die Politik Wasserstoff in solchen Bereichen trotzdem, könnten sich effizientere Technologien weniger durchsetzen. Zentrales Instrument der Politik ist die Nationale Wasserstoffstrategie der Bundesregierung von 2020, die in diesem Jahr überarbeitet werden soll. „Die Politik muss Wasserstoffanwendungen priorisieren und so Richtungs- und Investitionssicherheit schaffen“, fordert Projektleiter Klaus Fichter vom Borderstep Institut. (ur)

Der ausführliche Bericht „Das Wasserstoffdilemma: Verfügbarkeit, Bedarfe und Mythen“, kann hier heruntergeladen werden. (Deep Link)
https://www.ioew.de
https://www.borderstep.de

Stichwörter: Wasserstoff, IÖW, Borderstep, Nationale Wasserstoffstrategie



Druckversion    PDF     Link mailen


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Wasserstoff

Münster: Koordinierungsstelle für Wasserstoff
[14.9.2022] Die Stadt Münster nähert sich systematisch dem Energieträger Wasserstoff an. Dafür wurde eine Koordinierungsstelle für Nutzung, Forschung und Entwicklung gegründet. mehr...
Schleswig-Holstein: Powerhouse für Wasserstoff
[1.9.2022] Die Landesregierung von Schleswig-Holstein schreibt eine eigene Wasserstoffstrategie fort. Demnach soll das Bundesland ein Powerhouse für grünen Wasserstoff werden. mehr...
Schleswig-Holstein will treibende Kraft beim Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft in Deutschland bleiben.
Baden-Württemberg/Bayern : Wasserstoffallianz gegründet
[1.9.2022] Baden-Württemberg und Bayern bündeln ihre Kräfte, um sich als Technologiestandorte für Wasserstoff weiter zu stärken. mehr...
Thüringen: Wasserstoffprojekt besprochen
[26.8.2022] Während der Thüringer Energiegespräche wurde das Wasserstoffprojekt TH2ECO erläutert. Dieses sieht vor, Wasserstoff aus der und für die Region zu produzieren. mehr...
Stadtwerke Rodgau: Förderung für Wasserstoff-Busse
[26.7.2022] Mit einer Fördersumme von über 1,8 Millionen Euro unterstützt das Bundesministerium für Digitales und Verkehr die Anschaffung von Wasserstoff-Bussen in Rodgau. mehr...

Suchen...

 Anzeige



Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von stadt+werk allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wenn Sie stadt+werk auch künftig regelmäßig als Print- und Digitalausgabe erhalten möchten, freuen wir uns über ein Abonnement.

stadt+werk, Ausgabe 7/8 2022
stadt+werk, Ausgabe 5/6 2022
stadt+werk, Ausgabe 3/4 2022
stadt+werk, Ausgabe 1/2 2022
stadt+werk, Ausgabe 9/10 2022

Aboverwaltung


Abbonement kuendigen

Abbonement kuendigen

Aktuelle Meldungen