Ä Meldung | stadt+werk - Kommunale Klimaschutz- und Energiepolitik

Donnerstag, 30. März 2023

IÖW:
Strom und Gas selbst grün erzeugen


[18.11.2022] Städte können Abfallprodukte aus der Industrie oder Kläranlagen weiternutzen, um nachhaltiges Gas zu gewinnen. Das zeigen mehrere aktuelle Projekte und Studien des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW).

So können Städte nachhaltig Strom und Gas selbst erzeugen. Das Prinzip Upcycling eignet sich nicht nur für ausrangierte Kleidung, Geräte oder Möbel, sondern auch für die Gasversorgung, wie jetzt Forschende vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) vorschlagen. Städte könnten Abfallprodukte aus der Industrie und Kläranlagen weiternutzen, um daraus mithilfe von erneuerbarem Strom nachhaltiges Gas zu gewinnen. Zwar können Städte so nur einen kleinen Teil ihres Gasbedarfs selbst decken, doch hätte die urbane Gasproduktion deutliche ökologische sowie wirtschaftliche Vorteile und könnte Gasimporte ergänzen. Das zeigen die Forschenden am Beispiel Berlins in einem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderten Projekt. Bisher beruht etwa ein Viertel der in Deutschland verbrauchten Primärenergie auf Erdgas. „Um in Berlin und auch in ganz Deutschland so schnell wie möglich klimaneutral zu werden und mehr Versorgungssicherheit zu erreichen, müssen wir den Absprung vom Erdgas schaffen“, erklärt Elisa Dunkelberg, Energieexpertin am IÖW.
Wie solches Gas in Berlin hergestellt werden könnte und welche Verfahren im Vergleich zu Erdgas besonders viel CO2 sparen, hat laut IÖW das Forschungsprojekt UMAS untersucht, das von der Berliner Erdgasspeicher GmbH geleitet wurde. Fazit: Eine Gasproduktion in Städten mit erneuerbarem Strom würde sich für die Umwelt lohnen – weil Abfallprodukte verwendet werden können, weil die Transportwege sowie Verluste gering sind und weil die entstehende Abwärme besonders gut genutzt werden kann. Da Gas besser als Strom gespeichert werden kann, dient das Verfahren zudem als Power-to-Gas-Speicher für die städtische Energiewende. Dies ist nötig, um so genannte Dunkelflauten, in denen weder Solarstrom noch Windenergie erzeugt wird, sowie die schwankende Nachfrage auszugleichen. Die Studie zeigt, dass sich für die urbane Wasserstoffherstellung bereits wettbewerbsfähige Lösungen abzeichnen. Um Methan vor Ort zu produzieren, braucht es noch weitere Forschung und Entwicklung, so die Wissenschaftler. Für besonders preiswert und klimafreundlich halten die Forschenden die so genannte Schmutzwasser-Plasmalyse in Kläranlagen. Dieses neuartige Verfahren, das von der Firma Graforce entwickelt wurde, nutzt erneuerbaren Strom, um von dem Ammonium, das im Klärwasser enthalten ist, Wasserstoff abzuspalten. Darüber hinaus könnte sich auch Abwasser aus bestimmten Industriezweigen für das Verfahren eignen, etwa aus dem Papierrecycling, aus der Rauchgasreinigung und aus Biogasanlagen. Doch auch das Elektrolyseverfahren schneidet aus ökologischer Sicht besser ab als Erdgas, vor allem, wenn man die entstehende Abwärme nutzt und etwa in das städtische Fernwärmenetz einspeist. (ur)

Die ökologische Bewertung der inländischen Erzeugung synthetischer Gase kann hier heruntergeladen werden. (Deep Link)
https://www.ioew.de

Stichwörter: Klimaschutz, Strom, Biogas, IÖW, Upcycling

Bildquelle: IÖW

Druckversion    PDF     Link mailen


 Anzeige



Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Klimaschutz

Rheinland-Pfalz: Klima-Geld für Kommunen dank KIPKI
[28.3.2023] Das Land Rheinland-Pfalz hat den Gesetzesentwurf zum Kommunalen Investitionspaket Klimaschutz und Innovation KIPKI vorgelegt. Alle Kommunen sollen dadurch Geld für Klimaschutz vor Ort erhalten. mehr...
Münster: Treibhausgasbilanz vorgelegt
[8.3.2023] Die Energie- und Treibhausgasbilanz der Stadt Münster für das Jahr 2021 zeigt: Die CO2-Emissionen sinken nicht so stark, wie erwartet. Immerhin steigt der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch in der Stadt. mehr...
Rheinland-Pfalz: Kommunaler Klimapakt gestartet
[2.3.2023] Mit dem Kommunalen Klimapakt (KKP) bietet das Land Rheinland-Pfalz Städten und Gemeinden Beratung zu Klimaschutz und Klimaanpassung an. Der Beitritt zum KKP kann ab sofort beantragt werden. mehr...
Mannheim: Klimaplan wird konkret
[10.2.2023] Drei Millionen Euro hat die Stadt Mannheim für den Klimaschutz-Aktionsplan 2030 in den Haushalt eingestellt. Nun wurden die Mittel verteilt. mehr...
Rostock: Strategie für die Wärmewende
[8.2.2023] Rostock erarbeitet einen integrierten Wärmeplan für eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2035. mehr...
Der Wärmespeicher der Stadtwerke Rostock spielt eine wichtige Rolle bei der Wärmewende in der Hansestadt.