Mittwoch, 24. April 2024

Hamburg:
Abwärme für östliche Hafencity


[21.2.2017] Der Kupferproduzent Aurubis wird künftig Hamburgs östliche Hafencity mit Abwärme versorgen. Die Hamburger enercity-Tochter enercity Contracting Nord übernimmt den Wärmetransport und die Versorgung der Fernwärmekunden.

In der Energiezentrale wird das schwankende industrielle Wärmeaufkommen ausgeglichen. Der Kupferproduzent Aurubis und der Contracting-Anbieter enercity Contracting Nord haben jetzt einen Vertrag über die Nutzung von industrieller Abwärme aus dem Hamburger Aurubis-Werk zur Versorgung der Hamburger Hafencity Ost mit Fernwärme geschlossen. Laut einer aktuellen Pressemeldung wird Aurubis hierzu Wärme auskoppeln, die während der Umwandlung von Schwefeldioxid – einem Nebenprodukt, das bei der Kupferschmelze anfällt – zu Schwefelsäure entsteht. Wie die Projektpartner mitteilen, ist die industrielle Abwärme nahezu frei von CO2, so dass künftig mehr als 20.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden können. Rund die Hälfte davon entstehe durch die Verdrängung von Erdgas-Nutzung zur Dampferzeugung auf dem Aurubis-Werksgelände, die andere Hälfte könne durch die Lieferung der Abwärme an enercity vermieden werden.
Der Vertrag sieht vor, dass Aurubis die Wärme bis an seine Werksgrenze liefern wird. Die Abnahme der Wärme und deren Weitertransport zur Nutzung im Wärmeversorgungsgebiet erfolgt durch enercity Contracting Nord, einer in Hamburg ansässigen 100 prozentigen Beteiligung von enercity. Dabei reicht zur Versorgung der östlichen Hafencity die Wärme aus einem von drei Strängen. Jürgen Schachler, Vorstandsvorsitzender von Aurubis, erläutert: „Wir könnten deutlich mehr Fernwärme für die Stadt Hamburg liefern und damit sogar bis zu 140.000 Tonnen CO2 jährlich einsparen. Dafür sind derzeit jedoch noch nicht die technischen, finanziellen und vertraglichen Grundlagen gelegt.“ An einer Lösung sei das Unternehmen sehr interessiert und arbeite intensiv daran.

Abwärme wesentlicher Eckpfeiler in Hamburgs Wärmestrategie

Jens Kerstan (Bündnis 90/Die Grünen), Senator für Umwelt und Energie, war bei der Vertragsunterzeichnung zugegen und sagt: „Wir wollen in Hamburg zeigen, wie die Energiewende bei der Wärmeversorgung funktioniert. In unserer Strategie spielt die Nutzung von industrieller Abwärme eine große Rolle.“ Das Projekt zeige, dass der urbane Raum zwar große Herausforderungen an den Klimaschutz stelle, aber eben auch besonders konstruktive und kooperative Lösungswege anbiete. Auch Susanna Zapreva, Vorstandsvorsitzende von enercity, hält das Projekt für zukunftsweisend: „Das Projekt ist in seiner Größenordnung einzigartig und setzt neue Maßstäbe für zukünftige Wärmeversorgungen in Städten. Denn gerade im urbanen Raum sind die Herausforderungen der Energiewende enorm.“
Im April 2018 soll die Wärmeauskopplung in Betrieb gehen. Bis dahin will Aurubis 17 Millionen Euro für den Umbau der Anlagen und die Verlegung der Wärmeleitung an die Werksgrenze investieren. Auch die Investitionskosten von enercity Contracting Nord belaufen sich auf 16 Millionen Euro für eine neue Wärmetransportleitung vom Aurubis-Werk bis in die Hafencity Ost und eine ebenfalls neue Energiezentrale. Letztere dient dazu, das betriebsbedingt schwankende industrielle Wärmeaufkommen für die Fernwärmeversorgung auszugleichen. Aurubis werde Fördermittel in Höhe von 30 Prozent von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und enercity Contracting Nord in ähnlicher Größenordnung aus dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE) erhalten. In der Meldung heißt es weiter, dass die Förderungen durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und die Behörde für Umwelt und Energie der Freien und Hansestadt Hamburg (BUE) initiiert worden seien.
Außerdem gehöre die vereinbarte Fernwärmelieferung als eines von zehn Fallbeispielen zum Projekt Leuchttürme energieeffiziente Abwärmenutzung der Deutschen Energie-Agentur (dena). Der Vorsitzende der Geschäftsführung von dena, Andreas Kuhlmann, sagt: „Aurubis geht hier mit gutem Beispiel voran; es ist an der Zeit, dass weitere Unternehmen mit innovativen Ansätzen folgen. Unser Modellprojekt wird sie dabei unterstützen.“ (me)

http://www.aurubis.com
http://www.enercity.de
http://www.enercity-contracting.de
http://www.dena.de
http://www.abwaerme-leuchtturm.de
http://www.industrie-energieeffizienz.de

Stichwörter: Wärmeversorgung, Aurubis, enercity, enercity Contracting Nord, Hamburg, Hafencity Ost

Bildquelle: Stadtwerke Hannover AG

Druckversion    PDF     Link mailen


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Wärmeversorgung

Iqony/RWE: Fernwärme aus Müll bis 2026
[23.4.2024] Iqony Fernwärme und RWE schließen einen neuen Wärmeliefervertrag. Dabei wird Abwärme aus dem Essener Müllheizkraftwerk Karnap zu Fernwärme gewandelt. Der Vertrag läuft bis Ende 2036. mehr...
Stadtwerke Bochum: Grüne Fernwärme durch Pflanzenkohle
[19.4.2024] Das Climate Tech Start-up Novocarbo hat jetzt die Stadtwerke Bochum als Partner für den neuesten Standort seiner Net-Zero-Lösung gewonnen. Der gemeinsam geplante Carbon Removal Park Bochum soll künftig nicht nur die Fernwärme in Bochum grüner machen, sondern auch eine besondere Kohle produzieren, die im Kampf gegen den Klimawandel helfen kann. mehr...
Der Carbon Removal Park Bochum soll künftig eine besondere Kohle produzieren, die im Kampf gegen den Klimawandel helfen kann.
Wiesbaden: Neue Pumpe für Fernwärme
[19.4.2024] Wiesbaden will die Wärmeversorgung umbauen. Dazu wurde eine neue Fernwärme-Pumpstation durch den Energiedienstleister ESWE installiert. mehr...
Mit großem Interesse besichtigten die Besucher die neue Anlage.
Hamburg: Wärmeprojekt vollständig in Betrieb
[18.4.2024] Das Hamburger Wärmeprojekt in der Müllverwertungsanlage Borsigstraße ist jetzt vollständig in Betrieb gegangen. Das Projekt steigert die Effizienz der Wärmeerzeugung ohne Brennstoff-Mehreinsatz sowie ohne Veränderung der Emissionsfracht. mehr...
Das Wärmeprojekt der Müllverwertungsanlage Borsigstraße in Hamburg ist jetzt vollständig in Betrieb gegangen.
RheinEnergie: 23 Meter hoher Speicher in Betrieb
[16.4.2024] RheinEnergie hat einen großen Fernwärmespeicher in Betrieb genommen. Er soll eine tragende Säule für die Wärmeversorgung in Köln werden. mehr...
Der neue Speicher ist 23 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 13 Metern.

Suchen...

 Anzeige

 Anzeige



Aboverwaltung


Abbonement kuendigen

Abbonement kuendigen
Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich Wärmeversorgung:
Trianel GmbH
52070 Aachen
Trianel GmbH
Meriaura Energy Oy
22761 Hamburg
Meriaura Energy Oy

Aktuelle Meldungen