smartmetering

Montag, 19. August 2019

Stadtwerke Jena:
Ausgezeichnetes Quartier


[11.6.2019] In Jena wird ein Gebäudekomplex aus den 1980er-Jahren zum smarten Quartier. Im Mittelpunkt des Projekts, das beim Bundeswettbewerb Stadt.Land.Digital einen Sonderpreis erhielt, steht die Frage nach der Verbesserung der Lebensqualität der Mieter.

Rund 300 Wohnungen in drei Plattenbauten aus den 1980er-Jahren werden im Jenaer Stadtteil Lobeda zum smarten Quartier umgebaut. Das Projekt „Smartes Quartier Jena-Lobeda“ wurde beim Bundeswettbewerb Stadt.Land.Digital mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Noch in diesem Jahr beginnt das Stadtwerke-Jena-Unternehmen jenawohnen mit der Sanierung von drei elfgeschossigen Plattenbauten aus den 1980er-Jahren im Stadtteil Lobeda. Neben der baulichen Sanierung sollen der Gebäudekomplex und die Wohnungen mit intelligenten digitalen Zusatzleistungen ausgestattet werden. Die Projektleitung übernimmt die Stadtwerke Jena Netze GmbH.
Die zukunftssichere Ausstattung des Gebäudekomplexes soll den Mietern spürbare Vorteile bringen. So sollen die Lebensqualität verbessert und neue Formen des Zusammenlebens ermöglicht werden. Die dabei eingesetzten Techniken sind nicht das Ziel, sondern Hilfsmittel auf diesem Weg.

Boomende Region Jena

Ausgangspunkt der Überlegungen waren die zunehmende Urbanisierung und der steigende Bedarf an Fachkräften in der boomenden Region Jena. Die Frage lautete, wie der ländliche Raum gestärkt und dringend benötigte Fachkräfte, junge qualifizierte Arbeitnehmer und ihre Familien überzeugt werden können, nach Jena zu ziehen. Daraus entstand zunächst die Idee, auf der grünen Wiese ein Smart Village zu planen, in dem alle Lebensbereiche, also Wohnen, Mobilität, Logistik, Gesundheit und Bildung, intelligent vernetzt sind. In der Vision wird der ländliche Raum mit der Stadt vernetzt. Damit werden die Themen Mobilität und Lebensqualität sowie medizinische Versorgung auf neue Weise mit dem Wohnquartier verbunden und positiv für die Menschen entwickelt. Diese Vision konnte in einem lebendigen Quartier im Stadtteil Lobeda sehr schnell in ein reales Projekt überführt werden.

Sanierung ermöglicht Umsetzung

Möglich wird das Projekt „Smartes Quartier“ durch die anstehende Sanierung eines Gebäudekomplexes aus den 1980er-Jahren mit 300 Wohnungen. Der erste Bauabschnitt soll im Sommer 2019 starten. Insgesamt wird die bauliche Sanierung alleine mindestens drei Jahre dauern und Investitionen von circa 20 Millionen Euro umfassen. Für die smarten Services laufen derzeit Verhandlungen mit verschiedenen Interessenten. Der Preis hat noch einmal klar gezeigt, wie groß das Potenzial ist.
Die angedachten Zusatzleistungen sollen das Leben der Mieter erleichtern – und zwar praxisorientiert. Und sie müssen so attraktiv und lebensnah sein, dass sie auch genutzt werden. Alle Mieter werden individuell von der Stadtwerke-Tochter jenawohnen betreut, um während der Sanierung in andere Wohnungen im Bestand des Unternehmens umziehen zu können. Nach Abschluss der Sanierung erhalten sie die Möglichkeit, wieder zurück in den sanierten Gebäudekomplex zu ziehen. Auch das ist eine Besonderheit dieses Projekts.

Kommunikative Vernetzung im Quartier

Im Mittelpunkt steht die Frage: Was verbessert das Leben der Mieter? Das macht den Modellcharakter aus und ist ein Alleinstellungsmerkmal für das Projekt: Es besteht die Projekt „Smartes Quartier Jena-Lobeda“ erhält Sonderpreis beim Bundeswettbewerb Stadt.Land.Digital. Möglichkeit, Prozesse und Funktionen in einem realen Umfeld zu entwickeln. Durch smarte Services und die Vernetzung des Quartiers lassen sich Alltagsgeschäfte schnell und einfach an zentraler Stelle erledigen. Das smarte Wohnen ermöglicht zudem eine bessere Vorsorge und Versorgung von bewegungseingeschränkten und älteren Personen. Insbesondere die kommunikative Vernetzung im Quartier wird als große Chance gesehen. Die Vernetzung der Nachbarschaft ist zentraler Bestandteil eines solchen Quartiers.

Listen des Wünschenswerten

Eine technische Grundvoraussetzung ist, dass alle Wohnungen mit schnellem Internet ausgestattet werden. In verschiedenen Arbeitsgruppen wird aktuell eruiert, welche Dienstleistungen aus den verschiedenen Lebensbereichen für die Mieter in ihrer Wohnung nützlich und hilfreich wären. Diese Listen des Wünschenswerten sind lang. Dazu gehören beispielsweise Smart-Home-Anwendungen wie die Steuerung von Heizung, Lüftung, Licht, Musik und Atmosphäre, ebenso wie das Elektroauto vor der Tür oder die Anzeige freier Parkplätze in meinem SmartQuartier. Im Bereich Gesundheit könnten Anwendungen der Telemedizin genutzt werden, etwa für die Terminplanung, die Gesundheitsvorsorge oder die Rezeptausstellung. Praktisch und nachhaltig wäre es auch, wenn Pakete zuverlässig dann ankommen würden, wenn die Bewohner zu Hause sind, und die Lieferdienste nicht fünfmal pro Stunde dieselbe Adresse ansteuern müssten.
Ein wichtiger Punkt ist selbstverständlich die Energieversorgung. Hier werden verschiedene Ideen geprüft – vom Mieterstromprojekt bis hin zur Photovoltaikanlage auf dem Balkon. Im Fokus steht aktuell eine intelligente Steuerung der Heizungsanlage für den gesamten Wohnblock, von der deutliche Optimierungsmöglichkeiten und Einsparpotenziale erwartet werden.

Partner im Modellprojekt

Was haben Partner davon, in das smarte Quartier zu investieren? Attraktiv ist einerseits der Modellcharakter. Ein interessantes Alleinstellungsmerkmal ist die Vernetzung aller Teilaspekte. Auch Partner haben die Möglichkeit, Prozesse und Funktionen in einem realen Umfeld zu entwickeln und zu testen. Andererseits ist der Umsetzungszeitpunkt ein Plus: Das Projekt wird auf jeden Fall in diesem Jahr starten. Reizvoll ist hier die klar definierte Laufzeit mit der Aussicht auf schnelle Ergebnisse für geleistete Investitionen. Verschiedene Arbeitsgruppen erstellen derzeit Umsetzungskonzepte für die zentralen Bereiche Wohnen/Bau, Logistik/Mobilität, Gesundheit, Plattform und Kommunikation.
Die Auszeichnung des Projekts „Smartes Quartier Jena-Lobeda“ beim Wettbewerb Stadt.Land.Digital erfolgte in der Kategorie Kommunales Unternehmen. Die Preise des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ausgelobten Wettbewerbs wurden am 16. Januar 2019 in Berlin überreicht. Im Zentrum der Konferenz standen Beispiele und Ideen, die aufzeigen, wie Digitalisierung und intelligente Vernetzung zu mehr Lebensqualität und besseren Lebensverhältnissen beitragen können.

Gunar Schmidt

Schmidt, Gunar
Gunar Schmidt ist Geschäftsführer der Stadtwerke Jena Netze GmbH und Leiter des Projekts „Smartes Quartier Jena-Lobeda“. Er hat Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften studiert und seit 2014 einen Lehrauftrag an der Technischen Hochschule Bingen zum Thema „Strategisches Asset Management für Energie- und Wasseranlagen“.

https://www.stadtwerke-jena.de
Weitere Informationen zum Projekt (Deep Link)
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe Mai/Juni 2019 von stadt+werk erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Energieeffizienz, Stadtwerke Jena

Bildquelle v.o.n.u.: Stadtwerke Jena/Dreising, Stadtwerke Jena Netze

Druckversion    PDF     Link mailen


 Anzeige



Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Energieeffizienz

REWAG: Energieeffizienz-Netzwerk ist ein Erfolg
[6.8.2019] Durch das von der Regensburger Energie- und Wasserversorgung (REWAG) mitinitiierte Energieeffizienz-Netzwerk können in der Region pro Jahr rund 29.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Aufgrund des großen Erfolgs wird das Projekt fortgeführt. mehr...
Teilnehmer des Energieeffizienz-Netzwerks ziehen positive Bilanz.
Contracting: Branche auf Wachstumskurs
[31.7.2019] Die Contracting-Branche ist laut einer aktuellen Erhebung des Verbands VfW auf Wachstumskurs: Umsatz und die Anzahl der abgeschlossenen Verträge sind im Jahr 2018 gestiegen. mehr...
Städtische Werke Kassel: Mehrgenerationen-Quartier fast fertig
[23.7.2019] Energieeffizienz wird im Mehrgenerationen-Quartier in Niestetal großgeschrieben. Kraft-Wärme-Kopplungs- und Photovoltaikanlage sollen künftig umweltfreundlichen Strom und Wärme liefern. mehr...
Fünf der insgesamt sechs Baukörper des Quartiers in Niestetal stehen, der letzte befindet sich kurz vor Fertigstellung.
Energieagentur Rheinland-Pfalz: EKM-Netzwerk stellt Berichte vor
[11.7.2019] In Rheinland-Pfalz sind die ersten Energieberichte des Netzwerks „Energie- und Klimaschutzmanagement für Kommunen in der Metropolregion“ Rhein-Neckar präsentiert worden. Sie sind in einer Veranstaltungsreihe über zweieinhalb Jahre entstanden. mehr...
In Rheinland-Pfalz ist eine Veranstaltungsreihe zum Energie- und Klimaschutz-Management in 19 Kommunen der Metropolregion Rhein-Neckar (MRN) zu Ende gegangen.
Landau: Kläranlage soll energieautark werden
[2.7.2019] Der Entsorgungs- und Wirtschaftsbetrieb Landau (EWL) investiert in die Modernisierung seiner Kläranlage. Diese soll künftig deutlich energieeffizienter arbeiten. mehr...
Oberbürgermeister Thomas Hirsch informiert sich über die geplante Modernisierung der Kläranlage in Landau.

Suchen...

 Anzeige

 Anzeige

Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich Energieeffizienz:
euroLighting GmbH
72202 Nagold
euroLighting GmbH
GEWISS Deutschland GmbH
35799 Merenberg
GEWISS Deutschland GmbH
Trianel GmbH
52070 Aachen
Trianel GmbH

Aktuelle Meldungen