Samstag, 8. Mai 2021

Interview:
Regionaler Grünstrom


[2.2.2021] Uniper beliefert den Coburger SÜC-Konzern mit Strom aus bayerischen Wasserkraftwerken. Über das neue Angebot AquaPower sprach stadt+werk mit SÜC-Chef Wilhelm Austen und Gundolf Schweppe, Geschäftsführer von Uniper Energy.

Wilhelm Austen Herr Austen, die SÜC Energie und H2O GmbH aus Coburg hat die Weichen in Richtung Stromversorgung der Zukunft gestellt. In welche Richtung geht es?

Austen: Unsere Verantwortung für den Klimaschutz haben wir schon immer ernst genommen. Zum einen sind wir überzeugt, dass wir neben der grundsätzlichen Verpflichtung zum nachhaltigen Umgang mit Ressourcen als Energieversorger eine Vorreiterrolle einnehmen sollten. Zum anderen verzeichnen wir eine verstärkte Nachfrage unserer Kunden nach ökologischen Stromtarifen, die wir bisher nur zum Teil mit der Stromerzeugung aus unseren eigenen drei Wasserkraftwerken erfüllen konnten. Das ist zukünftig anders. Mit steigenden Kundenanfragen haben wir einen Partner gesucht, der klimaneutrale Energie in den gefragten Mengen liefern kann und unseren Weg in eine nachhaltige Zukunft gemeinsam mit uns geht. Mit den Laufwasserkraftwerken Prittriching am Lech und Geisling an der Donau kann Uniper dem nachkommen. Über die Herkunftsnachweise wissen wir genau, woher unser Strom stammt – nämlich ausschließlich aus bayerischer Wasserkraft. Das war uns wichtig.

Was bedeutet Klimaschutz für Sie und wie setzen Sie ihn um?

Austen: Alle 60.000 Privatkunden und kleinere Gewerbekunden werden zum 1. Januar 2021 nur noch mit klimaneutralem Strom aus bayerischer Wasserkraft versorgt. Damit stellen wir unser Portfolio in diesem Kundensegment vollständig auf Nachhaltigkeit um. Daneben fördern wir zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes den Ausbau der Elektromobilität. Wir betreiben heute schon 23 öffentlich zugängliche Ladesäulen mit 51 Ladepunkten. Eine 300-Kilowatt-Ladestation befindet sich gerade im Bau. In unserem eigenen Fuhrpark haben wir bereits 21 Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor durch E-Fahrzeuge ersetzt. Zudem schützen wir Umwelt und Ressourcen durch eine verstärkte Digitalisierung. So werden Unmengen an Papier gespart, da Bestellungen, Auftragsbestätigungen und Rechnungen digital zugestellt werden.

„Wir verzeichnen eine verstärkte Nachfrage nach ökologischen Stromtarifen.”


Wie ist die Zusammenarbeit mit Uniper konkret ausgestaltet?

Austen: Die Bedeutung des regionalen Grünstroms hervorzuheben, ist eine zentrale Aufgabe. Dazu haben wir mit Uniper ein umfangreiches Marketing-Konzept erarbeitet. Mitmachen beim Umweltschutz – diese Botschaft steht im Vordergrund. Stromerzeugung durch Wasserkraft spart pro Jahr rund 67.000 Tonnen CO2 ein. Wir sind von dieser Energiequelle überzeugt, da sie eine verlässliche Größe bei den erneuerbaren Energien ist und zudem klimaneutral, regenerativ und – in unserem Fall – regional. Wir fordern unsere Kunden in der Kommunikation über unterschiedlichste Kanäle auf, diesen Weg mit uns zu gehen. Uniper unterstützt uns dabei.

Herr Schweppe, welche Rolle spielt die Wasserkraft bei der Energieerzeugung von Uniper?

Schweppe: Uniper ist mit insgesamt zwei Gigawatt installierter Leistung der größte Betreiber von Wasserkraftwerken in Deutschland. In mehr als 100 Wasserkraftwerken produzieren wir emissionsfrei Strom. Damit tragen unsere Laufwasserkraftwerke an den Flüssen rund um die Uhr zur Deckung der Grundlast bei und erfüllen wichtige Aufgaben beim Hochwasser- und Gewässerschutz.

Was zeichnet Ihr Produkt AquaPower besonders aus?

Gundolf Schweppe

Schweppe: Mit dem Produkt AquaPower bringen wir die regionale und erneuerbare Wasserkraft mit den bayerischen Bürgern zusammen. Dieses Modell praktizieren wir nicht nur in Coburg, sondern auch mit weiteren bayerischen Kommunen. Die Zusammenarbeit mit der Stadt Coburg ist aber insofern besonders, weil wir noch integrierter arbeiten und verstärkt gemeinsam analysieren, ob weitere Potenziale im Bereich regenerative Energie identifiziert werden können. Das bietet perspektivisch zusätzliche Vorteile, die wir an unsere Kunden weitergeben: Keinerlei CO2-Ausstoß, kein Lärm und auch keine Abgase. Energie aus Wasserkraft ist demnach regional, zuverlässig und erneuerbar.

Wo kommt der Strom her und wie wird sichergestellt, dass es sich tatsächlich um Grünstrom handelt?

Schweppe: Die SÜC beliefern wir mit Strom aus unseren bayerischen Laufwasserkraftwerken Geisling an der Donau und Prittriching am Lech. Die regionale Entstehung garantieren Herkunftsnachweise, die wir an die SÜC verkaufen. In dem Fall liefern wir im Zeitraum 2021 bis 2026 Nachweise, die einer Liefermenge von 135.000 Megawattstunden pro Jahr entsprechen. Und da Wasserkraft nicht wetterabhängig ist, ist die Stromversorgung jederzeit stabil. Der Strom kommt also immer vom angegebenen Kraftwerk.

Uniper positioniert sich immer stärker im Bereich grüne Energien. Täuscht der Eindruck?

Schweppe: Ganz und gar nicht. Uniper ist bereits grüner, als oft in der Öffentlichkeit bekannt, wir fangen auch nicht erst jetzt mit der Reduzierung unseres CO2-Fußabdrucks an. Unser Ziel lautet, CO2-Neutralität bis 2035 für unsere europäischen Aktivitäten. Daran arbeiten wir jeden Tag und sind nicht nur mit unseren Wasserkraftwerken und dem schrittweisen Ausstieg aus der kohlebasierten Erzeugung gut positioniert. Um es etwas griffiger zu machen: Mit unseren Wasserkraftwerken in Deutschland decken wir heute schon den Energiebedarf von 1,6 Millionen Haushalten. Im Vergleich zum aktuellen Energiemix hierzulande werden dadurch jährlich 2,8 Millionen Tonnen CO2 vermieden.

#+Welche Rolle spielt Erdgas bei der Energieerzeugung?

Schweppe: Erdgas trägt als Brückentechnologie schon heute signifikant zur CO2-Reduktion bei. 70 Prozent des CO2-Ausstoßes können durch den Wechsel von einem Kohle- auf ein Gaskraftwerk eingespart werden. Und das unglaublich schnell. Zudem hat Uniper ein Programm zur Dekarbonisierung der eigenen Gaskraftwerke und Erdgasspeicher gestartet. Aus diesem vielfältigen Portfolio ziehen wir unsere wesentliche Stärke, auch unsere Kunden bei ihrem Weg der Dekarbonisierung zu unterstützen.

Welche Strategie steckt dahinter?

Schweppe: Unsere Strategie ist langfristig angelegt: Wir liefern heute sicher die benötigte Energie und entwickeln die Energiewirtschaft gleichzeitig in Richtung CO2-Neutralität weiter. Dies erreichen wir, indem wir unseren Energiemix systematisch anpassen. Wir betrachten nicht nur die eigene Produktion und deren CO2-Bilanz. Klimaschutz findet wesentlich auch beim Kunden statt. Und die von uns belieferten Industriebetriebe und Stadtwerke wollen ihren CO2-Fußabdruck verringern.

Wie trägt Uniper dazu bei?

Schweppe: Klimaneutrale Lösungen werden schon heute immer häufiger angefragt. Als Energielieferant und aktiver Partner der Energiewende zeigen wir diesen Kunden mit zukunftsweisenden Produkten und Dienstleistungen Lösungen für ihren eigenen Weg der Dekarbonisierung auf. Ein Beispiel dafür ist die grüne Vollversorgung, zu der auch das Produkt regionaler AquaPower gehört. Da unser Angebot vielfältig ist und von der klassischen Erdgaslieferung über Biogaslieferungen bis hin zur Vollversorgung mit grünem Strom und diversen technischen Services reicht, können wir unsere Kunden wirksam unterstützen. Und wir arbeiten kontinuierlich daran, diese Vorreiterrolle auszubauen.

Interview: Alexander Schaeff

Im Interview, Wilhelm Austen und Gundolf Schweppe
Wilhelm Austen ist seit dem Jahr 2015 Geschäftsführer des SÜC-Konzerns. Bis 2014 war Austen Finanzreferent und Stadtkämmerer der Stadt Coburg. Gundolf Schweppe ist seit dem Jahr 2017 Vorsitzender der Geschäftsführung der Uniper Energy Sales GmbH. Zuvor war Schweppe verantwortlich für die Vertriebskanalsteuerung B2C von E.ON Energie Deutschland.

https://www.suec.de
https://www.uniper.energy/de
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe Januar/Februar 2021 von stadt+werk erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Energieeffizienz, Uniper, SOC Energie, Ökostrom

Bildquelle v.o.n.u.: SÜC, Uniper

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