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Freitag, 19. April 2024

Solarparks:
Zehn Tipps für Kommunen


[19.3.2024] Eine neue Checkliste des Netzwerks Photovoltaik Baden-Württemberg gibt zehn Tipps für die erfolgreiche Planung von Solarparks und zeigt, wie Kommunen am besten vorgehen können.

Ein Leitfaden gibt Kommunen Tipps zur Errichtung von Solarparks, wie hier auf einer Müllhalde in Sindelfingen. Solarparks sind ein zentraler Baustein der Energiewende in Baden-Württemberg. Sie erzeugen klimafreundlichen Strom und steigern die kommunale Wertschöpfung. Dennoch werden die bei der Bevölkerung beliebten Anlagen im Südwesten noch viel zu selten gebaut. Ein wichtiger Grund dafür sind fehlende Strukturen und lückenhaftes Know-how in vielen Kommunen.
Eine neue Checkliste des Photovoltaik-Netzwerks Baden-Württemberg soll nun helfen, dies zu ändern. Mit zehn Tipps und Praxisbeispielen gibt die Publikation einen detaillierten Überblick, wie Städte und Gemeinden bei Solarparks am besten vorgehen – und wie sie den Nutzen für sich und ihre Bürger maximieren können. In die Erstellung sind auch die Erfahrungen verschiedener baden-württembergischer Kommunen eingeflossen. Koordiniert wird das Photovoltaik-Netzwerk von der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) und dem Solar Cluster Baden-Württemberg.
Die Stromerzeugung aus Photovoltaik ist ein wesentlicher Baustein, um die Energiewende im Südwesten umzusetzen und die im Klimaschutz- und Klimaanpassungsgesetz Baden-Württemberg verankerten Ziele zu erreichen. Neben einem starken Ausbau der Photovoltaik auf Dachflächen ist daher auch ein Ausbau der Photovoltaik auf Freiflächen notwendig. Rund ein Drittel der bis 2040 zu installierenden Photovoltaikleistung von 47.000 Megawatt muss dort entstehen.
Von gut geplanten Solarparks profitieren viele. Die Kommunen erhöhen ihren klimafreundlichen Ökostromanteil. Die regionale Wertschöpfung steigt, Bürger können sich finanziell beteiligen, Kommunen erhöhen ihren klimafreundlichen Anteil an der Energieversorgung. 

Untersuchungen belegen zudem, dass die Biodiversität bei Solarparks, also die Anzahl an Pflanzen und Insekten im Bereich der Anlage, größer ist als auf agrarisch intensiv genutzten Flächen. Hinzu kommt: Die Mehrheit der Bevölkerung hat kein Problem mit Solarparks, auch wenn sie sich in der Wohnumgebung befinden.  

Planung eines Solarparks: Übersicht von A bis Z

Doch die Zahl der neuen Photovoltaik-Freiflächenanlagen zwischen Lindau und Mannheim hinkt dem Ausbauziel hinterher. Benötigt werden rund 80 Solarparks mit einer installierten Leistung von zehn Megawatt pro Jahr bis 2040. Dieses Ziel ist noch nicht erreicht: 2023 waren beispielsweise erst knapp 40 Prozent der benötigten Leistung am Netz.
Ein Grund für den noch unzureichenden Ausbau auf der grünen Wiese liegt in den kommunalen Strukturen. Die derzeit steigende Zahl von Anfragen von Flächeneigentümern und Projektierern trifft auf interne Strukturen in den Kommunen, die historisch bedingt ausschließlich auf die Bearbeitung von Genehmigungsverfahren ausgerichtet sind. Im Zuge der neuen Anforderungen der Energiewende sollten die Kommunen hier einen Wandel vollziehen: Weg von der reinen Genehmigungsinstanz, hin zum Unterstützer klimafreundlicher Energieerzeugung vor Ort.
Das bedeutet auch, eine stärkere koordinierende Rolle im Gesamtprozess der Planung eines Solarparks einzunehmen. Um diesen Wandel zu unterstützen, hat das Photovoltaik-Netzwerk Baden-Württemberg die Checkliste entwickelt. Sie soll zum einen aufzeigen, wie Kommunen eine solche aktive Rolle im Prozess einnehmen können. Zum anderen soll sie den in der Praxis noch hohen Informationsbedarf decken. Vielen Kommunen fehlt unter anderem ein Überblick über den Prozess, wenn es darum geht, einen Solarpark zu realisieren.
Genau das leistet die neue Checkliste. Sie beschreibt detailliert den gesamten Prozess – von der Vorbereitung über die verschiedenen Planungsphasen bis hin zum Betrieb des Solarparks. Die Publikation informiert über die zeitliche Abfolge, welche Entscheidungen und Prozesse parallel laufen können und wie Kommunen vorausschauend agieren sollten, um die Umsetzungszeit möglichst kurz zu halten.

Frühzeitige Einbindung aller Akteure wichtig

Die Publikation des Netzwerks Photovoltaik zeigt auch, wie der Projektstart am besten gelingt und welche Fehler es zu vermeiden gilt. Wichtig ist unter anderem, den Austausch mit erfolgreichen Kommunen aus der Region zu suchen, den Gemeinderat und die Öffentlichkeit frühzeitig in die Suche nach geeigneten Flächen einzubeziehen und so die Akzeptanz im Ort zu sichern. Welche Strukturen innerhalb der Kommune geschaffen werden müssen, um die Suche nach geeigneten Flächen insbesondere in der Vorbereitungsphase effizient unterstützen zu können, ist ebenfalls ein Thema.
Ist geklärt, welche Flächen geeignet sind und welche nicht, stehen die Genehmigungsverfahren und die Netzanbindung auf der Agenda. Die Liste gibt auch Tipps, wie die Kommune, kommunale Eigenbetriebe sowie die Bürgerinnen und Bürger am meisten von einem Solarpark profitieren können.
Die Checkliste enthält auch Adressen von neutralen Expertinnen und Experten, an die sich die Verantwortlichen in den Kommunen wenden können, sowie weiterführende Informationsquellen. Das Dokument wird regelmäßig aktualisiert und erweitert. Kommunen sind eingeladen, ihre Erfahrungen aus der Praxis über ein integriertes Feedback-Formular mit dem Netzwerk zu teilen. (ur)

Die Checkliste „Die 10 Gebote der Freiflächen-PV" steht kostenfrei hier zum Download bereit. (Deep Link)
https://www.solarcluster-bw.de
https://www.photovoltaik-bw.de

Stichwörter: Solarthermie, Photovoltaik, Baden-Württemberg, KEA-BW

Bildquelle: Stadtwerke Sindelfingen

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