Sonntag, 3. Juli 2022

Agora:
Erneuerbares Stromsystem bis 2035


[24.6.2022] Eine neue Studie von Agora Energiewende analysiert, welche Maßnahme es jetzt zusätzlich braucht, um ein flexibles, klimaneutrales Stromsystem innerhalb von 13 Jahren zu erreichen.

Um den Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch bis 2030 auf 80 Prozent und bis 2035 auf 100 Prozent zu steigern, muss die Bundesregierung die bisher in Oster- und Sommerpaket vorgelegten Maßnahmen noch deutlich nachschärfen. Eine neue Studie von Agora Energiewende zeigt, welche Schritte es jetzt braucht, damit der Weg zu einem klimaneutralen Stromsystem gelingt. Für das nötige Ausbautempo bei Windkraft-, Solaranlagen und Stromnetz ist seitens der Politik eine stärkere Priorisierung und konsequente Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren nötig. Zugleich braucht es die Absicherung von Investitionen in Windkraft und Solarenergie sowie für den Bau regelbarer Kraftwerke, die bereit für den Betrieb mit grünem Wasserstoff sind. Zentral ist weiterhin ein Ausbau des Übertragungsnetzes um 40 Prozent bis 2035 und eine umgehende Reform der Netzentgelte, damit beispielsweise die flexible Einbindung von Elektrofahrzeugen, Wärmepumpen, Elektrodenkessel und Elektrolyseuren angereizt wird. Ein System mit 100 Prozent erneuerbaren Energien im Jahr 2035 erfordert außerdem ein Maßnahmenportfolio zur Systemsicherheit und effiziente Lösungen im Umgang mit Netzengpässen. Dazu gehört auch, die Einführung geografischer Preissignale im Stromsystem zu prüfen, um ein zuverlässiges Zusammenspiel von Erzeugung und Verbrauch zu gewährleisten.
„Wir müssen das Ziel einer vollständig erneuerbaren Stromversorgung so schnell wie möglich erreichen. Gerade angesichts der aktuellen fossilen Energiekrise ist das wichtiger denn je“, sagt Simon Müller, Direktor Deutschland bei Agora Energiewende. „Ein erneuerbarer Stromsektor ist zudem das Fundament der Klimaneutralität: Im Verkehr, beim Heizen und in der Industrie ist die Verfügbarkeit von grünem Strom die Voraussetzung für das Erreichen der Klimaziele.“ Daher müsse die Bundesregierung jetzt den nötigen Paradigmenwechsel einläuten, um den Boden für ein klimaneutrales Stromsystem bis 2035 zu bereiten. Die in der Agora-Studie vorgeschlagenen Maßnahmen sichern das 80-Prozent-Erneuerbaren-Ziel sowie den rechtzeitigen Kohleausstieg bis 2030 und schaffen gleichzeitig die Grundlage für ein erneuerbares Stromsystem bis 2035. Die Analyse, die in Zusammenarbeit mit den Energieberatungsunternehmen Prognos und Consentec entstanden ist, legt damit erstmalig eine umfassende Strommarkt- und ergänzende Netzmodellierung für ein klimaneutrales Stromsystem vor. Die G7-Umwelt- und Energieminister hatten Ende Mai in ihrem Abschlusskommuniqué eine fast vollständige Dekarbonisierung der Kraftwerkparks als Ziel formuliert – auch im aktuellen Entwurf der Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes ist dieses Ziel enthalten. Für die Ziele im Stromsektor muss sich die Erzeugung erneuerbaren Stroms von heute 243 auf 595 Terawattstunden (TWh) bis 2030 mehr als verdoppeln – und bis 2035 auf 845 TWh mehr als verdreifachen. Die Agora Studie weist einen nötigen Netzaus- und Umbau von zusätzlichen 15.000 Stromkreiskilometern im Jahr 2035 für ein klimaneutrales Stromsystem aus (plus 40 Prozent). (ur)

Die Studie steht zum kostenlosen Download hier bereit. (Deep Link)
https://www.agora-energiewende.de

Stichwörter: Smart Grid, Netze, Netzausbau, Strommarkt, Agora



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