Freitag, 19. August 2022

Netzausbau:
Bedarf besser planen


[21.7.2022] Einen neuen Ansatz zur besseren Abschätzung des zukünftigen Stromtransportbedarfs haben das Unternehmen 50Hertz und mehrere Forschungsinstitute im Rahmen des Projekts UPTAKE entwickelt.

Forschende entwickeln im Projekt UPTAKE einen neuen Ansatz zur Abschätzung des künftigen Netzausbaubedarfs. Vor dem Hintergrund der neuen geopolitischen Konstellationen – Stichwort Ukrainekrieg – sowie dem politischen Willen, schneller zur Klimaneutralität zu kommen, ist auch bei der Planung der benötigten Energienetze mehr Flexibilität gefordert, denn die bewährten Planungsinstrumente sind auf solche Umbrüche kaum eingestellt. Vor diesem Hintergrund hat ein Forscher-Team unter Beteiligung des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE, des Öko-Instituts und der RWTH Aachen gemeinsam mit dem Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz im Rahmen des Projekts UPTAKE einen neuen Ansatz entwickelt, um künftige Stromtransportbedarfe schnell und gezielt abschätzen zu können.
„Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben hier einen wertvollen Ansatz erarbeitet, um schneller mit disruptiven Veränderungen und politisch-wirtschaftlicher Unübersichtlichkeit umgehen zu können“, erklärt Stefan Kapferer, Vorsitzender der Geschäftsführung von 50Hertz. „Das ist vor allem für die Frage interessant, wie Strom und Wasserstoff zukünftig zu den großen Industrieverbrauchern und den privaten Haushalten kommen. Nur so lassen sich Fehlinvestitionen in Infrastrukturen vermeiden und es können effiziente Transportwege schneller identifiziert und anschließend umgesetzt werden.“
Wie 50Hertz weiter mitteilt, orientierten sich die Forschenden für ihr Modell an mehreren so genannten Storylines, die technisch-ökonomisch, gesellschaftlich und politisch-regulatorisch getrieben sind. Diese Storylines (oder Narrative) beschreiben wichtige und insbesondere auch politisch adressier- und steuerbare Pfadentscheidungen mit erheblichem Einfluss auf den Netzausbaubedarf. Dazu gehören die Auswirkungen von Akzeptanzfragen, die Flächenverfügbarkeiten an Land und auf See, die regulatorischen Rahmenbedingungen des europäischen Strommarkts, die Ausprägung der Verbrauchs- und Transportbedarfe von Strom (Elektronen) versus Wasserstoff (Moleküle) sowie die Kapazitäten und die räumlichen Verteilungsmuster von inländischen Elektrolyseanlagen.
Philipp Härtel vom Fraunhofer Institut IEE erläutert: „Staatliche Regulierungen auf europäischer Ebene können ebenso ein Treiber für die Energiewende sein wie Wertschöpfungsketten oder Fragen der Ressourcenverfügbarkeit. Es gilt, diese Treiber und deren pfadabhängige Auswirkungen zukünftig besser im Blick zu haben und über ein Monitoring zu analysieren.“ „Unser neuer Ansatz ermöglicht es, die ganze Bandbreite an Optionen und Entwicklungskorridoren besser greifbar zu machen, auf dieser Basis die politischen Weichenstellungen und regulatorischen Planungsinstrumente deutlich zielführender zu gestalten und damit den schnellen Übergang zur Klimaneutralität möglich zu machen“, ergänzt Felix Christian Matthes vom Öko-Institut.
Die Frage nach Elektronen oder Molekülen, die zukünftig durch Energienetze transportiert werden müssen, sei dabei von zentraler Bedeutung, so Sirkka Porada von der RWTH Aachen: „Sie entscheidet darüber, ob und zu welchen Kosten der Weg zur Klimaneutralität gelingt. Unser Ansatz soll helfen, einen gangbaren Weg zu gestalten.“ (bw)

https://www.iee.fraunhofer.de
https://www.oeko.de
https://www.rwth-aachen.de
https://www.50hertz.com/de

Stichwörter: Smart Grid, Netze, 50Hertz,

Bildquelle: nadak2/123rf.com

Druckversion    PDF     Link mailen


 Anzeige



Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Netze | Smart Grid

Schleswig-Holstein: Anteil am Abregelungsvolumen sinkt
[26.7.2022] Zum dritten Mal in Folge ist in Schleswig-Holstein die Menge an abgeregeltem Strom aus erneuerbaren Anlagen gesunken. Das zeigt der aktuelle Bericht der Bundesnetzagentur zum Engpass-Management im vergangenen Jahr. mehr...
WAGO / A. Eberle: Netzqualität verbessern
[15.7.2022] Gemeinsam wollen die Unternehmen WAGO und A. Eberle zur Netzqualität im Bereich der Energieversorgung beitragen. Die in Kooperation eingesetzten Lösungen erkennen schädliche Netzrückwirkungen und sollen unter anderem die Verteilnetzführung optimieren. mehr...
WAGO und A. Eberle wollen die Qualität im Energienetz optimieren.
Agora: Erneuerbares Stromsystem bis 2035
[24.6.2022] Eine neue Studie von Agora Energiewende analysiert, welche Maßnahme es jetzt zusätzlich braucht, um ein flexibles, klimaneutrales Stromsystem innerhalb von 13 Jahren zu erreichen. mehr...
Ü-Netze: Erstmals Regelreserve ausgetauscht
[23.6.2022] Erstmals haben die vier Übertragungsnetzbetreiber Regelreservearbeit über eine neue europäische Plattform ausgetauscht. mehr...
Braunschweig: BS|Energy soll Elektroladesäulen bauen
[21.6.2022] In Braunschweig soll BS|Energy ein öffentliches Netz aus Elektroladesäulen bauen und betreiben. Die Stadtverwaltung hat dies jetzt den Ratsgremien vorgeschlagen. mehr...

Suchen...

 Anzeige



Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von stadt+werk allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wenn Sie stadt+werk auch künftig regelmäßig als Print- und Digitalausgabe erhalten möchten, freuen wir uns über ein Abonnement.

stadt+werk, Ausgabe 7/8 2022
stadt+werk, Ausgabe 5/6 2022
stadt+werk, Ausgabe 3/4 2022
stadt+werk, Ausgabe 1/2 2022

Aboverwaltung


Abbonement kuendigen

Abbonement kuendigen
Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich Netze | Smart Grid:
telent GmbH
71522 Backnang
telent GmbH
Trianel GmbH
52070 Aachen
Trianel GmbH

Aktuelle Meldungen