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Mittwoch, 24. Juli 2019

Mobilität:
Bremens Masterplan


[26.2.2019] Die Freie Hansestadt Bremen hat mit Förderung des Bundes einen Masterplan Green City erstellt. Dieser baut auf dem Verkehrsentwicklungsplan Bremen 2025 auf und konzentriert sich vor allem auf aktuelle Themenfelder wie E-Mobilität, autonomes Fahren und Digitalisierung.

Der Masterplan Green City der Stadt Bremen konzentriert sich vor allem auf  Themenfelder wie E-Mobilität, autonomes Fahren und Digitalisierung. Mit dem Verkehrsentwicklungsplan Bremen 2025 (VEP Bremen 2025), der im Jahr 2014 auf Basis eines breiten Beteiligungsverfahrens beschlossen wurde, erfolgte in der Freien Hansestadt Bremen eine strategische Weichenstellung zur Entwicklung einer zukunftsgerichteten und nachhaltigen Mobilität. Im Rahmen des Verkehrsentwicklungsplans sollen Ziele in sechs verschiedenen Feldern erreicht werden. Daraus wurden 16 Zielindikatoren abgeleitet, auf deren Grundlage die insgesamt 193 erarbeiteten Maßnahmen des VEP 2025 bewertet wurden. Die Zielindikatoren lauten:

- Gesellschaftliche Teilhabe aller Menschen ermöglichen, Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer stärken, soziale Sicherheit bei der Nutzung erhöhen.
- Verbessern der Aufenthaltsqualität für Fußgänger durch die Aufwertung und attraktive Gestaltung des öffentlichen Raums.
- Fördern des Fahrradverkehrs, Verbesserung der Infrastruktur und Weiterentwicklung des Radverkehrsnetzes (Routen) auch abseits von Hauptverkehrsstraßen sowie durch verbesserte tangentiale Verbindungen.
- Attraktivität des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) durch optimierte und leistungsfähige Angebote steigern sowie tangentiale Verbindungen und Verkehrsbeziehungen verbessern.
- Verbessern der Barrierefreiheit im öffentlichen Raum und im ÖPNV.
- Verbessern der Verkehrssicherheit.
- Verkehrsmittel des Umweltverbunds besser und umfassender verknüpfen sowie Mobilitätsketten und Mobilitätsmix stärken.
- Verbessern von Öffentlichkeitsarbeit und Marketing sowie Informationssystemen. Einheitliche, umfassende und verständliche Tarifsysteme unter Einschluss alternativer Verkehrssysteme, auch in der Region.
- Erreichbarkeit der Innenstadt des Oberzentrums Bremen für alle Verkehrsarten verbessern.
- Anbindung der bremischen Stadtteile sowie der benachbarten Städte und Gemeinden an den SPNV (inklusive P+R und B+R in Bremen und in der Region) optimieren und motorisierten Individualverkehr auf den öffentlichen Verkehr verlagern.
- Sicherstellen einer möglichst optimalen Erreichbarkeit von Industrie- und Gewerbestandorten sowie der Häfen mit allen Verkehrsmitteln.
- Infrastruktur entsprechend der Lage der Stadtteile im Siedlungsgefüge Bremens verbessern, verbindliche und verlässliche Netzhierarchie im Straßensystem schaffen, bessere Lenkung und Bündelung von Fernverkehren, Abwicklung von - Güterverkehren über leistungsfähige Trassen abseits der Wohnbebauung.
- Reduzieren von Emissionen entsprechend der Klima- und Umweltschutzziele. Reduzieren von verkehrsbedingtem Lärm und der Belastungen für Bewohner in Wohngebieten.
- Verbessern der Auslastung bestehender Verkehrsmittel und Infrastrukturen, verringern des Flächenverbrauchs, Abbau der Trennwirkung von Verkehrstrassen (Straße und Schiene).
- Innenentwicklung bei der Stadtentwicklungsplanung fördern, Stadtteil- und Nahversorgungszentren sowie Nahmobilität stärken.
- Förderung innovativer Konzepte, integrierter Verkehrslösungen sowie alternativer Technologien und Transportsysteme.


Masterplan Green City

Im Nationalen Forum Diesel Anfang August 2017 und im Gespräch der Bundesregierung mit den Ländern und Kommunen zur Luftreinhaltung Anfang September 2017 wurde beschlossen, dass die Kommunen bei der Gestaltung nachhaltiger und emissionsfreier Mobilität unterstützt werden. Dafür vorgesehen ist unter anderem die Förderung von Masterplänen in Kommunen mit besonders hohen Belastungen an Stickstoffdioxid (NO2).
In dem für die Förderung des Masterplans maßgeblichen Jahr 2016 wurde in Bremen der zulässige Grenzwert für den Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter (μg/m3) Stickstoffdioxid an zwei Messstellen knapp überschritten. Der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr (SUBV) hat sich deshalb am zweistufigen Antragsverfahren für einen Masterplan Green City Bremen erfolgreich beteiligt. Im Dezember 2017 wurde vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) ein Zuwendungsbescheid über 200.000 Euro für eine Vollförderung zur Erstellung des Masterplans an die Freie Hansestadt übergeben. Zahlreiche interessierte Bürger diskutierten über den Green City Masterplan.
Auf dieser Basis hat der SUBV einen Masterplan Green City für die Stadtgemeinde Bremen erarbeitet, um hierin weitere Maßnahmen für eine effiziente, emissionsfreie und nachhaltige Mobilität zu entwickeln und somit die Grundlage für eine Förderung dieser Maßnahmen durch den Bund und gegebenenfalls die Europäische Union vorzubereiten. Unter der Prämisse, den Umweltverbund zu stärken und eine umweltfreundliche Mobilität zu unterstützen, wurden Maßnahmen in vier verschiedenen Handlungsfeldern entwickelt: innovative Verkehrsplanung für Carsharing und den nicht-motorisierten Verkehr, Digitalisierung des Verkehrssystems/Vernetzung im ÖPNV, automatisiertes Fahren sowie Veränderungen durch Antriebe und Treibstoffe.

Spezifische Zielsetzung

Der Masterplan Green City Bremen baut auf dem Handlungskonzept des Verkehrsentwicklungsplans Bremen 2025 auf und bildet daher keinen umfassenden Verkehrsentwicklungsplan ab, sondern konzentriert sich auf das vom BMVI vorgegebene Spektrum möglicher förderfähiger Maßnahmen und ergänzt mit seiner spezifischen Zielsetzung den VEP Bremen 2025. Dabei konzentriert er sich neben der Förderung des Rad- und Fußverkehrs auf aktuelle Themenfelder wie Elektromobilität, autonomes Fahren und Digitalisierung, die bei der Erarbeitung des Verkehrsentwicklungsplans noch nicht im Fokus standen.
Der nun vorliegende Masterplan skizziert 82 Maßnahmen. Diese werden hinsichtlich ihrer Wirkung abgebildet und ihre Wirkungseffizienz zur Erreichung der im Rahmen des Luftreinhalteplans und des VEP Bremen 2025 beschlossenen verkehrs- und umweltpolitischen Ziele bewertet. Eine Rolle spielt dabei insbesondere, welchen Beitrag die Maßnahmen zur Senkung der verkehrsbedingten Luftbelastungen – vor allem von Stickstoffdioxid – leisten können.

Relevante Akteure einbinden

Die Erarbeitung des Masterplans Green City Bremen erfolgte in mehreren Prozessschritten. Einen zentralen Baustein stellten die Fach-Workshops dar. Hierbei wurden die in der Bremer Verkehrsentwicklung relevanten Akteure wie Wirtschaft, Forschungseinrichtungen, Behörden, Verkehrsunternehmen, Verbände und sonstige Institutionen eingebunden. Die intensiven Diskussionen der Beteiligten ermöglichten es, neben themenspezifischen Inhalten der beauftragten Fachplaner auch weitere relevante Aspekte im Masterplan aufzugreifen. Darüber hinaus erfolgte eine breite Vernetzung der Akteure. Hierdurch konnten mögliche Hindernisse für die Umsetzung der Maßnahmen – vor allem bei der notwendigen Einbindung dritter Partner – identifiziert und bereits in den Umsetzungsstrategien berücksichtigt werden.
Ferner wurde der Projektbeirat des VEP Bremen 2025, in dem die der Fachdeputation angehörigen Fraktionen sowie Akteure von verkehrspolitisch aktiven Verbänden vertreten sind, in die Erarbeitung des Masterplans eingebunden. Auf politischer Ebene wurde der Masterplan in den Sitzungen der Deputation für Umwelt, Bau, Verkehr, Stadtentwicklung, Energie und Landwirtschaft am 15. Februar und 23. August 2018 vorgestellt. Im August fand darüber hinaus eine öffentliche Veranstaltung mit Podiumsdiskussion statt, an der über 100 interessierte Bürger teilnahmen.

Maßnahmen langfristig wirksam

Die Handlungsfelder des Bremer Green City Masterplans betrachten ein breites Spektrum von Themen rund um die Mobilität. Dabei hat sich erneut die große Bedeutung des Radverkehrs gezeigt. Die in diesem Bereich erarbeiteten Maßnahmen leisten einen großen Beitrag zur Schadstoffminderung. Als Fahrradstadt ist Bremen bereits heute bundesweit diejenige Halbmillionenstadt mit dem höchsten Radverkehrsanteil und – nicht zufällig – zugleich dem niedrigsten NO2-Belastungswert.
Bremen ist aber auch ein national bedeutsamer Industrie- und Logistikstandort. Diesen Umstand aufgreifend, wurden insbesondere im Bereich des automatisierten Fahrens hochinnovative Pilot- und Erprobungsmaßnahmen wie zum Beispiel Platooning, fahrerlose Shuttle oder kooperative Fahrzeugnavigation erarbeitet, bei deren Umsetzung die Universität Bremen wissenschaftlich federführend ist und begleitend eingebunden wird.

Beiträge zur NO2-Reduktion

Aktuelle Technologien im Bereich der Digitalisierung wurden zum Beispiel durch Maßnahmen zur Plattformverknüpfung, Mobility on demand oder zur Bereitstellung von Informationen aufgegriffen. Elektromobilität beinhaltet neben der reinen Umstellung eines Fahrzeugantriebs eine Vielzahl von Aspekten, wie etwa intelligente Depots sowie die Kommunikation der Fahrzeuge untereinander oder mit einer Zentrale, die bei der Umstellung bestehender Antriebe vor allem im ÖPNV zu berücksichtigen sind.
Trotz ihrer schwerpunktmäßigen Unterschiede wirken sich die Maßnahmen aller Handlungsfelder positiv auf die Zielindikatoren des VEP Bremen 2025 aus und leisten unmittelbar oder mittelbar einen Beitrag zur NO2-Reduktion. Es wurden nicht nur Maßnahmen entwickelt, die lediglich kurzfristig eine Wirkung erzielen. Vielmehr lag das Augenmerk auf der Erarbeitung von – zumeist innovativen – Maßnahmen, die aufgrund ihrer Charakteristik zunächst eine mittelbare Wirkung entfalten und ihr Potenzial mittel- bis langfristig ausspielen.

Weitere Projekte folgen

Der Green City Masterplan soll in Bremen nicht als abschließendes Dokument betrachtet werden, sondern als Teil eines größeren Prozesses. Eine Kernaufgabe war es, für mögliche Projekte nicht nur Ideen zu sammeln, sondern auch Akteure zu vernetzen sowie mögliche Partnerschaften zu bilden und vorzubereiten. Das ist im Rahmen der zahlreichen Fach-Workshops gelungen. Neue Projektanträge für die vom Bund eröffneten Förderprogramme wurden eingereicht – ein Ergebnis des Prozesses zum Masterplan Green City Bremen. Hieraus werden sich wiederum neue Projekte ergeben. Es gilt nun darüber hinaus, die Förderoptionen der verschiedenen Bundesministerien sowie auf europäischer Ebene weiter im Auge zu behalten.
Auch der Austausch mit anderen Städten spielt eine wichtige Rolle, um gegenseitig von Ideen und Erfahrungen profitieren zu können. Hierzu dienen Partnerschaften in Projektverbünden ebenso wie Vortragsveranstaltungen oder Fachexkursionen. Schließlich stehen viele Städte vor den gleichen Herausforderungen – diese betreffen nicht nur die Luftqualität, sondern auch die Effizienz des Verkehrssystems und die Lebensqualität in den Städten. Hier gibt es interessante Erfahrungen andernorts, die man als technische und politische Anregungen aufgreifen sollte. Der Blick beschränkt sich dabei nicht nur auf die Erfahrungen in Deutschland, sondern sollte mindestens auf die europäische Ebene ausgeweitet werden.


Bereits jetzt ein Erfolg

Vor dem Hintergrund der erarbeiteten Maßnahmen, den damit erschlossenen Potenzialen zur Reduzierung der Stickstoffdioxid-Belastung und der erfolgten Vernetzung einer Vielzahl von Akteuren mit einer hohen Bereitschaft, gemeinsam eine zukunftsfähige, nachhaltige Mobilität in Bremen zu gestalten, kann der Masterplan Green City bereits jetzt als Erfolg verbucht werden.

Gunnar Polzin und Dirk Schneider

Gunnar Polzin, Dirk Schneider
Gunnar Polzin ist Abteilungsleiter Verkehr beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr Bremen und war federführend verantwortlich für die Erarbeitung des VEP Bremen 2025 sowie des Green City Masterplans. Dirk Schneider ist Projekt-Manager bei der Consult Team Bremen Gesellschaft für Verkehrsplanung und Bau mbH und hatte bei der Erarbeitung des Masterplans die Projektsteuerung inne.

http://www.bauumwelt.bremen.de
http://bremen-bewegen.de
Dieser Beitrag ist in der Januar/Februar-Ausgabe von stadt+werk erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Kraft-Wärme-Kopplung, Masterplan Green City, Freie Hansestadt Bremen, Elektromobilität

Bildquelle v.o.n.u.: rh2010/Fotolia.com/PEAK Agentur für Kommunikation, Freie Hansestadt Bremen

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